Testen und Leistungsdiagnostik – Welche Bedeutung hat der Benchthrow für die Wurf- und Stoßdisziplinen?
Welche Aussagekraft besitzt der Benchthrow für Diskuswurf, Kugelstoß und Speerwurf?
Hintergrund
In den leichtathletischen Wurf- und Stoßdisziplinen ist es entscheidend, große Kräfte mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit zu erzeugen. Last-Geschwindigkeits-Profile helfen dabei, Kraft-, Schnellkraft- und Schnelligkeitsvoraussetzungen objektiv einzuschätzen.
Der Benchthrow ist ein ballistischer Bankdrucktest für die obere Extremität. Die Übung wird an einer geführten Langhantel ausgeführt und soll eine möglichst hohe Abstoßgeschwindigkeit erzeugen. Aus mehreren Laststufen entstehen individuelle Last-Geschwindigkeits-Profile.
Antwort
Der Test liefert unter standardisierten Bedingungen zuverlässige Messwerte. Aus dem Profil können unter anderem die theoretische Maximallast, die theoretische Maximalgeschwindigkeit und der maximale Impuls als Ausdruck der muskulären Leistung abgeleitet werden.
Untersuchungen zeigen für Diskuswurf und Kugelstoß mittlere bis starke Zusammenhänge zwischen der maximalen Benchthrow-Leistung und der Wettkampfleistung. Beim Speerwurf sind die Ergebnisse bislang weniger einheitlich und sollten durch weitere Untersuchungen abgesichert werden.

Abbildung 1: Beispielhafte Beziehung zwischen der maximalen Benchthrow-Leistung und der Wurfweite.
Fazit
Für Diskuswerferinnen, Diskuswerfer sowie Kugelstoßerinnen und Kugelstoßer kann der Benchthrow als verlässlicher Test innerhalb der Leistungsdiagnostik eingesetzt werden. In Verbindung mit passenden Referenzwerten unterstützt er individuelle Trainingsentscheidungen und macht auch kleinere Leistungsveränderungen sichtbar.
Geschlechts- und disziplinspezifische Orientierungswerte erleichtern die Einordnung der Ergebnisse. Sie helfen dabei, Stärken, Schwächen und mögliche Trainingsreserven im Kraft-Geschwindigkeits-Profil zu erkennen.

Tabelle 1: Beispielhafte Orientierungswerte für die Einordnung der Testergebnisse.
Handlungsempfehlungen
- Den Benchthrow regelmäßig in die Leistungsdiagnostik von Diskuswurf und Kugelstoß integrieren.
- Ergebnisse im zeitlichen Verlauf und nicht nur als einzelne Messung interpretieren.
- Geschlechtsspezifische Orientierungswerte für die Bewertung individueller Stärken und Schwächen verwenden.
- Den Benchthrow gemeinsam mit weiteren Tests nutzen, um die sportartspezifische Leistungsstruktur umfassend abzubilden.
Literatur
- Morin, J. B. & Samozino, P. (2016): Interpreting Power-Force-Velocity Profiles for Individualized and Specific Training. International Journal of Sports Physiology and Performance, 11(2), 267–272. DOI und Datensatz
- Wenzel, U., Langen, G., Schleichardt, A. & Deckert, J. (2024): Projektendbericht – Testentwicklung zur muskulären Leistung der oberen Extremität. Leipzig: IAT.